Die größten Nachteile beim Arbeiten in Liechtenstein
Krankenversicherung in Liechtenstein: Das Optionsrecht für Grenzgänger
Wenn du als Grenzgänger in Liechtenstein arbeitest, hast du bei der Krankenversicherung eine besondere rechtliche Situation. Denn Grenzgänger aus Österreich haben ein Optionsrecht.
Das bedeutet, dass man innerhalb von drei Monaten ab Arbeitsbeginn wählen kann, wie man krankenversichert sein möchte.
Dabei gibt es folgende Möglichkeiten:
- Verbleib in der österreichischen gesetzlichen Krankenversicherung (ÖGK) (Insbesondere für Familien häufig die sinnvollste Lösung)
- Abschluss einer privaten Krankenversicherung in Österreich (Meist die beste medizinische Leistung, aber mit Gesundheitsprüfung verbunden)
- Abschluss der liechtensteinischen obligatorischen Krankenpflegeversicherung (OKP) (Günstig, jedoch gerade für Familien manchmal sehr teuer)
Wie gesagt, muss die Entscheidung innerhalb von drei Monaten nach Arbeitsbeginn getroffen werden. Wenn keine Versicherung ausgewählt wird, wird man automatisch in der liechtensteinischen Krankenversicherung pflichtversichert und das Optionsrecht erlischt. Eine spätere Änderung ist dann nicht mehr ohne Weiteres möglich.
Keine rückwirkende Kostenerstattung
Solltest du medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, ohne, dass du dich vorher um deine Versicherung gekümmert hast, werden die Kosten nicht rückwirkend erstattet. Deshalb sollte die Frage der passenden Krankenversicherung vor dem Arbeitsantritt geklärt werden.
Kosten der Krankenversicherung in Liechtenstein
Im Durchschnitt beträgt die Standardprämie für einen Erwachsenen im Jahr 2025 401,70 CHF pro Monat. Bei Kindern und Jugendlichen gibt es günstigere Tarife. Diese kosten in der Regel ca. 200 CHF. Die Beiträge zur Krankenversicherung in Liechtenstein werden wie auch bei der Altersvorsorge zum Teil vom Arbeitgeber und zum Teil vom Arbeitnehmer getragen. Der Arbeitgeberbeitrag 2025 sind 173,50 CHF.
Selbstbehalt und Kostenbeteiligung
In Liechtenstein sieht die Krankenversicherung eine Kostenbeteiligung in Form einer Franchise vor. Versicherte müssen medizinische Behandlungskosten bis zu einer festgelegten Grenze anteilig selbst tragen. Darüber hinaus benötigt jede Person innerhalb der Familie, sofern keine Versicherungspflicht in Österreich besteht, etwa über einen dort versicherten Ehepartner, eine eigene Krankenversicherung in Liechtenstein.
Hierbei verfügt jeder Vertrag über eine eigene Selbstbeteiligung. Die Beiträge sind für jede versicherte Person separat zu zahlen. Eine Familienversicherung wie in Österreich gibt es nicht. Wenn du mehr Informationen zum Thema der Krankenversicherung als Grenzgänger haben willst, haben wir hier einen ausführlichen Artikel zum Thema verfasst. Wenn du Unterstützung bei der Wahl der passenden Krankenversicherung benötigst, kannst du dir gerne einen kostenlosen Beratungstermin buchen.
Weniger Urlaub und Feiertage
In Liechtenstein hat man weniger gesetzlichen Mindesturlaub als in Österreich. So hat man als Grenzgänger in Liechtenstein lediglich vier Wochen pro Jahr, also 20 Tage Urlaub, während der gesetzliche Mindesturlaub in Österreich fünf Wochen, also 25 Tage, beträgt. Mit steigender Dauer nach Dienstjahren, also nach 25 Jahren, liegt dieser sogar bei 6 Wochen (30 Urlaubstagen). In Liechtenstein hat man ab dem 50. Lebensjahr hingegen 25 Urlaubstage.
Zudem hat Österreich je nach Region zwischen 13 und 15 gesetzliche Feiertage, während man in Liechtenstein lediglich 10 bis 12 Feiertage hat. Gerade wenn man eine Familie mit kleinen Kindern hat und viel Zeit mit ihnen verbringen möchte, sollte man sich darüber Gedanken machen.
Pendeln aus Vorarlberg und Tirol – Stau und Zeitaufwand an den Grenzübergängen
Die meisten Grenzgänger pendeln täglich zum Arbeiten nach Liechtenstein. Besonders zu Stoßzeiten sind einige Grenzübergänge stark belastet. Dazu zählen vor allem Schaanwald–Tisis, Nofels–Ruggell und Tosters–Mauren. Die Zeit, die man hier im Stau verbringt, kann je nach Uhrzeit, Verkehrslage und saisonalen Belastungen stark variieren.
Bürokratie als Grenzgänger: G-Ausweis, S1-Formular, Steuererklärung.
Als Grenzgänger gehört Bürokratie leider auch in Liechtenstein dazu. Das wichtigste Dokument ist dabei die Grenzgängermeldebestätigung (GMB), auf Wunsch auch digital als eGMB. Sie dient als offizieller Nachweis, dass du in Österreich wohnst und in Liechtenstein arbeitest. Die Meldung der Grenzgängertätigkeit muss spätestens 10 Tage nach Stellenantritt beim Ausländer- und Passamt Liechtenstein eingereicht werden. In der Praxis übernimmt das häufig der Arbeitgeber. Entscheidend ist nur, dass es fristgerecht passiert.
Ein weiterer zentraler Punkt ist das S1-Formular, früher E106. Dieses Dokument stellt sicher, dass du trotz Versicherung in Liechtenstein medizinische Leistungen auch in Österreich in Anspruch nehmen kannst und andersrum. Je nachdem, wo du versichert bist. Das S1 erhältst du bei deiner zuständigen Krankenversicherung. Da du dein Einkommen als Grenzgänger in Liechtenstein erzielst, die Besteuerung aber nach dem Doppelbesteuerungsabkommen an den Staat, in dem du wohnst, also Österreich, fließen, bist du verpflichtet, in Österreich am Ende des Jahres eine Einkommensteuererklärung zu machen.
Liechtenstein behält jedoch eine Quellensteuer von 4 Prozent deines Bruttoeinkommens ein. Das wird automatisch vom Arbeitgeber abgezogen. Diese kannst du in der Steuererklärung am Ende des Jahres anrechnen lassen, um so eine doppelte Besteuerung zu vermeiden. Im Vergleich zu einem rein österreichischen Arbeitsverhältnis ist der organisatorische Aufwand damit höher. Du koordinierst Unterlagen, Fristen und Pflichten aus zwei Ländern gleichzeitig, was in der Praxis spürbar mehr Aufwand bedeutet.
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Fazit – Für wen lohnt sich das Arbeiten in Liechtenstein?
Das Arbeiten als Grenzgänger in Liechtenstein lohnt sich besonders für Fachkräfte in Bereichen, in denen das Land strukturell stark ist. Ein gutes Drittel der Beschäftigten arbeitet im Industriesektor, knapp zwei Drittel im Dienstleistungssektor. Gerade Ingenieure, Finanz- Steuer- und Versicherungsexperten sind sehr gefragt. Jedoch auch andere Branchen. Wenn dich ein Job in Liechtenstein interessiert, gibt es eigene Jobplattformen.
Wenn du jung bist, beruflich vorankommen willst und bereit bist, den Grenzgänger-Alltag mit Pendeln und zusätzlicher Organisation mitzutragen, kann Liechtenstein sehr attraktiv sein. Gerade das hohe Gehalt ist einer der wichtigsten Aspekte.
Wer überlegt, in Liechtenstein als Grenzgänger zu arbeiten, sollte sich vorab unbedingt mit den Themen Bürokratie, Steuern und Krankenversicherung beschäftigen. Gerade dort entstehen in der Praxis die meisten Stolpersteine, weil Fristen einzuhalten sind und du zwei Systeme koordinierst. Gerne hilft dir unser Expertenteam in einem unserer zwei Büros in Rankweil und Dornbirn oder in einer Onlineberatung weiter.